Magazin Lübecker Bucht - Juni 2026
ZWISCHEN XXL-STADIEN, TITELTRÄUMEN UND REALITÄT MAGAZIN LÜBECKER BUCHT 8 Ein Turnier der Superlative, das wird die Fußball-WM ab Mitte Juni auf jeden Fall: 48 Mannschaften treten gegeneinander an, so viele sind es noch nie gewesen. Die Tur- niere werden in drei Gastgeberländern – USA, Kanada und Mexiko – ausgetragen. Gigantische Arenen, teils extrem hohe Eintrittspreise – Final- karten kosten im offiziel- len Verkauf fast 10.000 Euro – und Milliar- denumsätze. Der- art gigantische D imen s i onen hat es bei einer Fu ß b a l l -WM noch nicht ge- geben. Geht da nicht der Fuß- ballspaß verlo- ren? Da gehen die Meinungen wohl auseinander: Die einen sehen die Spiele in diesem Jahr sehr kritisch, andere sehen zwar die Probleme, lassen sich aber davon nicht die Fußball-Begeisterung nehmen. Erstmals wird es bei einem End- spiel der Fußballmeisterschaft sogar ein Showprogramm geben. Es wurde von Coldplay Bandleader Chris Martin mitkon- zipiert. Doch es kommt noch besser: Pop- Ikone Madonna wird ebenso auftreten wie Shakira, die mit ihrem offiziellen WM-Song „Dai Dai“, was so viel bedeutet wie „Los geht’s“ dabei ist. Das Lied dreht sich um Widerstandsfähigkeit und das Aufstehen nach Rückschlägen: „Du warst schon immer so mutig. Was dich einst gebrochen hat, hat dich stark gemacht“, heißt es darin. Eine Strophe des Songs, der auf Englisch und teilweise auch auf Spanisch gesungen wird, dreht sich ganz um Legen- den des Fußballs. Vielleicht auch ein Mutmacher-Song für die deutsche Natio- nalmannschaft. In dem Song werden neben früheren und aktuellen Stars wie Pelé, Diego Maradona, Lionel Messi und Kylian Mbappé auch große Fußballnatio- nen wie Deutschland erwähnt. Auf jeden Fall sollen mit der Show auch bis zu 100 Millionen US-Dollar für weltweite Bil- dungs- und Fußballprojekte gesammelt werden, wie der Weltverband FIFA mit- teilte. Shakiras Tantiemen aus „Dai Dai“ werden demnach ganz gespendet. Die Dimensionen der diesjährigen Welt- meisterschaft sind gewaltig. Nicht nur, dass in drei Ländern gespielt wird, auch sind die Spiele auf zahlreiche Metropolen und moderne Stadien verteilt. Und das bringt Riesen-Reisestrecken zwischen den Spielorten mit sich, die von den Mann- schaften zu bewältigen sind. Und die Fans müssen hohe Kosten tragen, wenn sei live dabei sein wollen. Die FIFA verspricht ein „Festival des Weltfußballs“, Kritiker spre- chen dagegen bereits von einer überlade- nen XXL-WM. Und wie steht’s mit der Stadionauslas- tung? Die NFL-Stadien – hochmoderne Heimspielstätten der 32 Teams in der American Football-Profiliga – bieten Platz für 60.000 bis 80.000 Zuschauer. Sie sind mit exklusiven VIP-Bereichen ausgestattet und gigantischen Videoleinwänden. Wer- den Fans sich die hohen Kosten für Tickets und Hotels leisten können? Wer heute ver- sucht, eine komplette WM-Reise durch Nordamerika zu planen, landet schnell bei mehreren tausend Euro – und das noch ohne Finalticket. Vermutlich werden viele Gruppenspiele nicht ausverkauft sein. Wel- cher amerikanische Sportfan kann und möchte einige Hundert Dollar für ein Vor- rundenspiel ausgeben? Dennoch werden sicher einige Stadien kochen, wenn Spiele mit Brasilien, Argentinien, England oder Deutschland ausgetragen werden. UND WIE GEHT’S DER DEUTSCHEN NATIONALMANNSCHAFT 2018 und 2022 scheiterte die Na- tionalelf schon in der Gruppen- phase und wirkte dann wie ein ehemaliger Weltmeister auf Orientierungssuche. Die Heim-EM 2024 brachte zwar wieder etwas Hoffnung zu- rück, doch erst unter Julian Nagelsmann entstand langsam das Gefühl, dass Deutschland wieder eine klare Idee vom Fußball hat. Spielerisch hat sich die Mannschaft deutlich verän- dert – hin zu mehr Tempo, mehr Risiko und flexiblen Offen- sivbewegungen. International für Aufmerksamkeit sorgt vor allem die Kom- bination aus Jamal Musiala und Florian Wirtz. Sie können beide Spiele allein ent- scheiden und sie verkörpern das, was im deutschen Fußball lange fehlte: Unbere- chenbarkeit und Leichtigkeit. Dazu kom- men erfahrene Führungsspieler wie Joshua Kimmich oder Antonio Rüdiger, die dem Team Stabilität geben sollen. Fußball- trainer Julian Nagelsmann versucht eine moderne Balance zu finden. Emotionale Geschlossenheit trifft auf technisch star- ken Offensivfußball. Tatsächlich sieht es so aus, als ob sich die Mannschaft stabilisiert hat und mutiger auftritt, auch nach Rückschlägen. Unter Nagelsmann wirkt die Mannschaft selbst- bewusster und geschlossener. Das merkt man auch daran, dass einige Spieler wie- der öffentlich darüber sprechen, Titel ge- winnen zu wollen. Es ist noch Luft nach oben. Defensiv bleibt Deutschland anfällig, gerade bei technisch starken Spielern. Vielen Beobachtern fehlt auch ein echter Weltklasse-Mittelstürmer in absoluter Topform. Doch dass Nagels- mann bislang gute Arbeit geleistet hat, werden sicher viele bestätigen. Die Mann- schaft hat an Struktur und Energie gewon- nen. So hat die Begeisterung unter den Fans zugenommen und die überträgt sich wieder auf die Spieler. ENORME DIMENSIONEN © F o t o : P h i l i p p R e i n h a r d / D F B © F o t o : P h i l i p p R e i n h a r d / D F B
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