Magazin Lübecker Bucht - Februar 2026
PRESSELOUNGE MAGAZIN LÜBECKER BUCHT 66 ANZEIGEN Tschüs Hotel Atlantic! Niendorf/Ostsee. 140 Jahre prägte das Hotel Atlantic (Pension Atlantic bis 1909) an der Promenade den kleinen Küstenort an der Ostsee – jetzt steht dort die Abrissbirne und haut Stein für Stein aus dem Gemäuer. Der Anblick stimmt den ehemaligen Besitzer Stephan Muus (57) etwas wehmütig, steht er doch vor seinem Lebenswerk, das nun zu Staub zerfällt. Von 1909 bis Anfang 2026 bot das Elf-Zimmer-Hotel Atlantic in der Strandstraße 119 vielen Gästen eine schöne Urlaubszeit direkt am Strand. Aber nicht nur Gäste erinnern sich gern an das Hotel mit der angeschlossenen Konditorei. Somancher Einheimischer nahm dort für eine Kaffeestunde mit Meerblick Platz. „Das Hotel war das Lebenswerk unserer Familie,“ erklärt Stephan Muus und führt weiter aus, dass 1683 Vorfahren aus Holland nach Niendorf kamen, um dort am Strand eine Fischerkate zu errichten. Die erste große Sturmflut riss das Reetdach ab, doch das Haus wurde wieder aufgebaut und angepasst. Auch die nächste Sturmflut in der Nacht vom 12. auf den 13. November 1872 richtete großen Schaden an, sodass nur die Grundmauern stehen blieben. Niendorf entwickelte sich allmählich zum beliebten Urlaubsort. 1885 wurde die Pension Atlantic eröffnet und 1909 entstand die Hotelvilla. Viele Jahrzehnte später übernahm Stephan Muus sein Geburtshaus in siebter Generation und sagt dazu: „Ich bin dankbar für die schöne Zeit, die wir hatten.“ Viele prominente Besucher kehrten im Haus in der ersten Reihe ein. „Udo Jürgens bestellte stets einen Schwedenbecher aus Vanilleeis, Apfelmus und Eierlikör. Armin Müller-Stahl kam mit dem Fahrrad vorbei und aß Pflau- menkuchen. Karl Dall bevorzugte ein Schinkenbrot, da er kein Eis mochte. Auch Hans Albers wohnte während Dreharbeiten im Hotel.“ Doch in letzter Zeit hatte das Hotel Atlantic zu kämpfen. „Wir waren immer gut ausgebucht“, sagt Stephan Muuss. „Doch mit dem Ukrainekrieg verfünffachten sich die Strompreise auf 35.000 Euro im Jahr. Zudem kam Personalnot. Von ehemals 17 Mitarbeitern sind noch vier geblieben: Viele sind in Rente gegangen, neue zu bekommen, war schwierig.“ Schließlich kam noch eine schwere Krankheit hinzu und Stephan Muus verkaufte im letzten Jahr das Atlantic. „Eine Sanierung hätte sich nicht gelohnt“, erklärt der Unternehmer. Gekauft hat das Filetgrundstück die Jasika Holding GmbH aus Hamburg, der unter anderem das Cozy Hotel Tim- mendorfer Strand gehört. Heute ist Stephan Muus sehr zufrieden. „Der Druck ist weg“, sagt er und fügt noch hinzu: „Wenn etwas Altes endet, fängt etwas Neues an.“ Den Gästen und Einheimischen geht das bekannte Gesicht in Niendorf nicht verloren. Denn eine Strand- korbvermietung ist dem ehemaligen Besitzer des Atlantic geblieben. Was dort entstehen wird, ist noch nicht so ganz klar, aber vermutlich wird es ein neues Hotel werden. Fotos: privat Ein Familienfoto vor dem Haus aus dem Jahr 1926. Der Vater von Stephan Muss, Carl Heinz Muuss (3), steht in der Mitte im Matrosen-Look Foto: Henning Schaffner
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