Magazin Lübecker Bucht - September 2026

MAGAZIN LÜBECKER BUCHT 79 Ich bin spät auf den Smartphone-Zug aufgesprungen. Bis vor wenigen Jahren hatte ich noch ein Nokia 6230i. Ja, genau: das mit der verbesserten 1,3-Megapixel- Kamera. Ich hatte gute Gründe, mich dem Smartphone zu verweigern. Ich lasse mich leicht ablenken – warum also eine Maschine in der Hosentasche haben, die mir jederzeit lustige Videos, Nachrichten und Shoppingmöglichkeiten serviert? Wenn ich Bahn fahre, möchte ich aus dem Fenster schauen oder ein gutes Buch lesen. Hier und jetzt war mein Stichwort. Doch irgendwann wurde selbst mir das zu bunt. Mein Sohn kam in die Kita: App benötigt. Deutschlandti- cket? App benötigt. Und ich gebe es zu: Das Smartphone hat auch Vorteile. Am Strand schnell ein Foto vom Sohne- mann? Check. Spotify in der Arbeits- pause? Check. Navigation auf langen Fahrradtouren? Check. Das Smartphone hatte mein Leben tatsächlich vereinfacht. Aber ist einfacher immer besser? Neu- lich saß ich in der Bahn und sah mich um: 10 Leute im Abteil, neun davon am Handy. Ich war einer davon. Kurzent- schlossen bestellte ich mir ein Einfach- handy, auch Seniorenhandy genannt. Ohne Kamera, dafür mit extra großen Tasten. Die Idee: unterwegs nur telefo- nieren und SMS schreiben, zu Hause das Smartphone für alles Notwendige. SIM- Karte raus aus dem Smartphone, rein ins Dumbphone. Meine Zeitreise ins digitale Mittelalter begann. Sie endete nach drei Tagen. Am ersten Tag wurde ich in der Bahn kontrolliert: „Deutschlandticket bitte.“ Mist. Das war natürlich auf dem Smartphone. Am zweiten Tag passierte etwas so Unglaubliches, dass man es ei- gentlich hätte fotografieren müssen, damit man mir glaubt. Natürlich hatte ich keine Kamera dabei. Am dritten Tag wollte ich „nur kurz etwas nachschauen“. Ich nahm das Smartphone. Nachricht. Schlagzeile. Video. Noch ein Video. Zack – 20 Minuten weg. Da musste ich lachen. Nicht über das Smartphone, sondern über mich. Vielleicht ist die Frage gar nicht, ob ein Smartphone gut oder schlecht ist. Sondern: Wer benutzt ei- gentlich wen? Mein Seniorenhandy habe ich über Kleinanzeigen wieder verkauft. Für den nächsten Versuch kann ich mir schließlich mit meinem Smartphone je- derzeit ein neues bestellen. Die Digitali- sierung ist wirklich eine wunderbare Sache. Wenn dat jichtens geiht, höllt man sick buten an de frische Luft up. Girn sitt man in Niestadt an’n Haven un schnup- pert frische Seeluft. Aver, wenn de Dagen kötter ward brickt de düster Johrestiet an. De Harvststorm feegt de Bläder vun de Bööm, de gröne Rasen waßt nich mehr, alles giffft sick to Roh bit um Fröhjohr. De Minschen paßt sick an. Nu sitt man Avends ok mal wedder girn in de gaude warme Stuuv. Mit‘n heiten Fledergrog mit Schuß is ok waat fines. Bi Schietweder hett de Glotzkas- sen wedder sien Darseinsberechtigung. Dat Programm mit de veelen Krimis un Dramen kiek ick nich. Sleit mi up de Seel! De Dagesschau is Pflchtprogram odder Sport un Naturfilme. Dat Pro- grammheft wies di noog in Öbermaat. Wenn mal an’n Avend nix dorbi is, dann legg ick mi ne schöne CD up. Am leevs- ten de olen Schlager mit Udo Jürgens „Griechischer Wein“ und Jürgen Drews „Ein Bett im Koornfeld“. Aver ok de Schwarzmeerkosacken, dat Leed „Er- barme dich unser“. Twischendörch een Glas Rotwien un Papa Blues Viking Jazzband mit „Everybody loves Saturday Night“ un „What a wonderful World“ Bün ok girn mal in’n Kroog. Tau schön, beten wat dröhen över de Angeli, de Jagd, sludern över anner Lüüd, dorbi komodig poor pflegte Beer drinken. So kümmt man över de düster Johrestiet. Man freit sick up den hilligen Avend mit de Enkelkinner un wat uns woll dat to- kamen Johr beschert? Magazin Magazin Kolumne pa Sonny! BLOB / KOLUMNE DREI TAGE OHNE SMARTPHONE HARVSTIET! Bäderstraße 26 · 23626 Ratekau Telefon 04504 277 34 65 www.deine-haargalerie.de Inh. Melanie Schall Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 09:00 bis 18:00 Uhr Samstag von 09:00 bis 13:00 Uhr

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