Magazin Lübecker Bucht - Mai 2026

INTERVIEW / BLOG MAGAZIN LÜBECKER BUCHT 92 Sie sind ein bekannter Theater- und Fernsehschauspieler. Sind Sie durch Ihre Eltern, die beide Schauspieler waren, zu diesem Beruf gekommen oder wie hat es sich entwickelt? Ja, meine Eltern waren beide Schauspie- ler, und dadurch bin ich ganz selbstver- ständlich mit diesem Beruf aufgewachsen. Für mich war das nichts Besonderes, son- dern einfach eine ganz normale Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine Zeit lang wollte ich allerdings Kameramann werden und habe mich an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam beworben. Das Studium konnte ich jedoch nicht antreten, da ich als West- berliner hohe Studiengebühren hätte zah- len müssen. Daraufhin bin ich nach Wien zurückgegangen, habe dort meine Schau- spielausbildung abgeschlossen und bin Schritt für Schritt in den Beruf hineinge- wachsen. Gibt es eine Rolle in Ihrer Fernsehkar- riere, die Sie am liebsten gespielt haben? Ich habe immer besonders gerne komi- sche Rollen gespielt. Ich finde, die Komö- die ist eine der Königsdisziplinen unseres Berufs. Sie fordert viel Feingefühl und Timing und macht bis heute große Freude. Welche Theaterrolle würden Sie unbedingt gern mal spielen? Es gibt keine konkrete Rolle, die ich unbe- dingt noch spielen möchte. Natürlich gibt es Klassiker, aber aus manchen bin ich in- zwischen altersmäßig herausgewachsen. Eine besondere Erfahrung war jedoch meine Rolle als Mephisto in „Doctor Faus- tus Lights the Lights“ unter der Regie von Robert Wilson – das war eine sehr prä- gende Arbeit für mich. Gibt es Rollen, die Sie schon abgelehnt haben und wenn ja, aus welchen Gründen? Ja, ich habe schon Rollen abgelehnt. Die Gründe sind meist entweder inhaltlicher oder terminlicher Natur. Grundsätzlich sehe ich mich aber auch als Dienstleister und bin der Meinung, dass man aus fast jeder Rolle etwas machen kann – voraus- gesetzt, das Drehbuch ist nicht völlig un- zureichend. In diesem Jahr sind Sie prominenter Gaststar bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. Worauf freuen Sie sich am meisten? Ich freue mich besonders auf die Arbeit mit den Pferden und das Spielen unter freiem Himmel. Seit Ende letzten Jahres nehme ich Reitunterricht in Berlin, um mich da- rauf vorzubereiten. Die körperliche Arbeit und die besondere Atmosphäre eines Open-Air-Theaters reizen mich sehr. Au- ßerdem freue ich mich sehr auf die Zu- sammenarbeit mit dem Ensemble, vor allem auf die wunderbaren Kolleginnen und Kollegen, die ich größtenteils zum ers- ten Mal kennenlerne. Ich bin gespannt auf die gemeinsame Arbeit und die Zeit, die wir zusammen verbringen werden. Sie spielen bei dem Stück „Im Tal des Todes“ den skrupellosen Geschäfte- macher Roulin. Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rolle vor? Ein großer Teil meiner Vorbereitung be- steht tatsächlich im Reittraining. Zusätz- lich beginne ich natürlich rechtzeitig mit dem Textlernen und arbeite mich Schritt für Schritt in die Figur hinein. Wichtig ist mir, dass ich körperlich und mental gut vorbereitet bin. Spielen Sie lieber Bösewichte oder die Guten und warum? Beides hat seinen Reiz. Bösewichte sind oft unkonventioneller und müssen sich nicht an moralische Regeln halten, was sie spannend und unberechenbar macht. Gleichzeitig macht es Spaß, die „Guten“ zu spielen, weil man die Sympathie des Publi- kums auf seiner Seite hat. Letztlich steckt in jeder Figur etwas Gutes und etwas Böses – das macht sie interessant. Sie werden in einem Open-Air-Theater mit über 7.500 Sitzplätzen spielen. Haben Sie Lampenfieber? Momentan habe ich kein Lampenfieber. Ich glaube auch, dass es weniger von der An- zahl der Zuschauer abhängt, sondern eher davon, wie nah man ihnen ist. In Bad Se- geberg ist die Distanz relativ groß, was fast schon abstrakt wirkt. Wie es bei der Pre- miere sein wird, werde ich sehen – aber grundsätzlich kann ich gut mit Lampenfie- ber umgehen. Was sind Ihre Wünsche für die Spielzeit in Bad Segeberg? Ich wünsche mir vor allem gutes Wetter, ein begeistertes Publikum und dass wir alle gesund bleiben. Es wäre schön, wenn wir gemeinsam eine tolle Atmosphäre schaffen und den Menschen Freude berei- ten können. Vielleicht gelingt es uns sogar, mit dem Stück eine kleine Botschaft zu vermitteln – dass es im Leben um mehr geht als nur um Reichtum und materiellen Erfolg. IM GESPRÄCH MIT FLORIAN FITZ © Foto: Karl-May-Spiele / Claus Harlandt

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