Magazin Lübecker Bucht - April 2026
Vom Chaos Kalkuttas über die stillen Wasser des Ganges bis zu den heiligen Feuern von Varanasi und dem Denkmal der Liebe - eine Reise durch Indien fordert alle Sinne. Es ist laut, überwälti- gend, widersprüchlich – und genau darin liegt seine Magie. Wer sich darauf ein- lässt, entdeckt zwischen Tempeln, Märk- ten und heiligen Flüssen nicht nur ein faszinierendes Land, sondern manchmal auch ein Stück seiner selbst. Die Reise beginnt mit einem Crescendo aus Hupen, Stimmen und Motoren. Als der Bus sich durch die Straßen von Kol- kata schiebt, scheint sich die Stadt in alle Richtungen gleichzeitig zu bewegen. Tuk-Tuks schlängeln sich zwischen Autos, Fahrräder drängen sich durch Men- schenmengen, Händler rufen ihre An- gebote aus. Über allem liegt das unauf- hörliche Hupen – weniger Warnsignal als eine Art urbane Sprache. Kolkata, das frühere Kalkutta, war einst Hauptstadt Britisch-Indiens. Koloniale Gebäude stehen neben bunt gestrichenen Wohnhäusern, Kabel hängen wie Lianen über den Straßen, während Händler Lot- terielose oder dampfenden Chai ver- kaufen. Mitten in diesem brodelnden Leben liegt ein stiller Ort: das Mutterhaus von Mutter Teresa. Ein schlichtes blaues Gebäude, unscheinbar zwischen Wohnhäusern. Im kleinen Museum scheint der Lärm der Stadt plötzlich zu verstummen. Gleich um die Ecke duftet es nach fri- schem Brot. In einer Werkstatt hängen handgefertigte Gitarren und Geigen von der Decke. Zwischen Spiritualität, Hand- werk und Straßenleben zeigt sich ein facettenreiches Indien. Am nächsten Morgen gleitet das Schiff „Ganga Villas“ hinaus auf den Hooghly, einen Seitenarm des Ganges. Für Hindus ist der Fluss mehr als ein Gewässer – er ist Göttin, Lebensader und Symbol spiritueller Reinigung. Der Lärm der Stadt wird ruhiger und am Ufer ziehen kleine Dörfer vorbei. Frauen waschen in bunten Saris Kleidung im Wasser, Kinder winken und Fischer ziehen Netze ein. Die Reise führt tief hinein in die Land- schaft Westbengalens. In Kalna wirkt der Morgenmarkt wie ein lebendiges Gemälde. Zwischen Gemüsebergen, Ge- würzkörben, lebenden Fischen sitzen MAGAZIN LÜBECKER BUCHT 66 Foto: C. Letzeisen REISETIPP Indien – Ein Rausch von Farben Foto: C. Letzeisen
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